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http://www.bluerhythm.de/cd-der-woche.html Colin Dunwoodie, Günter Bozem & Frank Willi Schmidt Water Music (Dadoua/Indigo)
Die Schnittmenge zwischen Jazzhörern und T.C.Boyle-Fans soll ja angeblich beträchtlich sein. Für alle, die sich dazu zählen, aber nicht nur für die, gibt's jetzt wohl die perfekte Scheibe. Deftig und prall ist „Water Music“, Boyles Roman über Mungo Parks Niger-Reise - umso überraschender, dass es nur drei spiel- und wandlungsfreudige Akteure braucht, um die Geschichte in einem Worldjazz-Kontext zu erzählen - und das rein instrumental. Colin Dunwoodie (sax,fl,cl), geschätzt seit seiner „Metropolis“-Neuvertonung, Frank Willi Schmidt (b) und Günter Bozem (perc) sind die Reiseführer.
Mit impressionistischen Flötenlinien und arabeskem Sax, mit fernen Signal- und nahen Tanztrommeln aus einer unerschöpflichen Perkussion-Palette, federnden Afrojazz-Grooves und geheimnisvoller Zwiesprache zwischen Bass und tiefem Blaswerk schaffen die drei einen verschmitzten, ja humorvollen Soundtrack. Ein zeitloser Desert-Roadmovie, eine exzellente Suite zwischen Programm-Musik und Improvisation, die weit übers Lautmalerische hinausgeht und den fatalen Unterton dieser Afrika-Exkursion durch reines Spielvergnügen sublimiert.
review: Tim Riess
Water Music (Colin Dunwoodie, Frank Willi Schmidt, Günter Bozem) DAD 008 (Dadoua/Indigo)
Ein Vogel zwitschert, Regentropfen fallen, Wasser rauscht. Ein gestrichener Kontrabass in den tiefsten Lagen zaubert mystische Stimmung, die Bassklarinette schwingt periodisch, die Percussion treibt in wechselnden Metren. Dann wieder spielt die Flöte eine reizvolle Melodie über einem ostinaten Bass-Grundton. Der Percussionist greift zu ausgefallenen Klangkörpern wie Waterdrums und Cajones. Die Flöte umspielt auf einem „Strange place“ die straight geführten Basslinien. Im „Wadi“ scheint es einen afrikanischen Tanz der Percussion mit dem Bass zu geben, in dem das Saxophon melodisch den Ton angibt. Die Musik weckt tausenderlei Assoziationen. Klangfarben fügen sich zu einem collageartigen Gemälde zusammen. Von einem Fluss, dem Niger, der sich träge durch den afrikanischen Dschungel wälzt, an manchen Stellen an den Ufern plätschernd in Wellen anrollt.
„Water Music“ nennt sich das Trio mit dem schottischen Multiinstrumentalisten Colin Dunwoodie, dem Mainzer Schlagzeuger Günter Bozem und dem Frankfurter Bassisten Frank Willi Schmidt. „Water Music“ ist auch der Titel dieser Einspielung mit 17 abwechslungsreichen, originellen und ausgefallenen Short-Storys, die inspiriert sind von jenen mitreißenden Schilderungen, mit denen der Romancier T.C. Boyle die abenteuerliche Geschichte des schottischen Arztes Mungo Park bei der Erforschung des Niger nachvollzieht.
Dunwoodie und Bozem, die bereits mit den Klang-Experimenten des Rothengrund Art Ensembles oder beim Film-Musik-Projekt Metropolis gezeigt haben, zu welchen Überraschungen Jazz-Interpretationen fähig sind, kosten die Klangsuche in Water Music voll aus – auch wenn die Kompositionen von einigen Ausflügen in den freien Jazz abgesehen, durchaus im Hauptstrom fließen. Dass Schmidt unter anderem auch die singende Säge ohne peinliche Effekhascherei zur Färbung nutzt, rundet das Bild ab.
Klaus Mümpfer K l a u s . M u e m p f e r @ t - o n l i n e . d e www.jazzpages.com/Muempfer
JAZZTHING Februar 2005 Water Music (Dadoua/Indigo)
Das musste ja mal kommen: Da hat sich jemand von TC. Boyles Kultroman „Water Music“ inspirieren lassen. Der Schotte Colin Dunwoodie, ein versierter Saxofonist der schon vor 40 Jahren in der Band von Rock'n'Roll-Legende Duane Eddy zu finden war, hat mit seinem Trio ein passendes Klang-Abenteuer eingespielt. Wer den Roman nicht kennen sollte, ist mit der CD trotzdem bestens bedient, denn die Musik steht Gott sei Dank für sich. Zusammen mit dem Perkussionisten Günter Bozem, der für so unterschiedliche Musiker wie Alfred Harth und Barbara Dennerlein getrommelt hat, und dem jungen Bassisten Frank Schmidt begibt Dunwoodie sich auf Weltreise. Die Musik fließt mal träge - wie im Titelstück - besichtigt aber auch einen "Strange Place", schaut einem "Hippo" beim Baden zu oder gibt sich aufreizend unentschlossen in ,.Which Way?“. Dunwoodie, der hier auch an Querflöte und Bassklarinette zu hören ist, ist ein famoser Trip gelungen. rt
http://oe1.orf.at/highlights/30198.html Water Music, frei nach T. C. Boyle
T. C. Boyles Kultbuch "Water Music" inspirierte drei Musiker zu einer Klangreise in weite Ferne. Auf den Spuren des schottischen Arztes Mungo Park suchen der ebenfalls schottische Saxofonist, Flötist und Klarinettist Colin Dunwoodie, der deutsche Bassist und Singende-Säge-Spieler Frank Willi Schmidt und der Perkussionist Günter Bozem nach den Quellen des Nil. Motto: Mitten auf dem Wasser ist der Durst am größten.
Wie oft bei Filmmusik, steht auch dieser "Soundtrack" zwischen verschiedenen musikalischen Genres: Stellenweise klingt (Free) Jazz an, doch meistens bleibt’s geordneter und gefälliger. Zum Glück entgeht das Trio aber weitgehend der Versuchung einer platten Übersetzung des Romans in Programmmusik. so dass man sich beim Hören seinen eigenen Film drehen kann.
Text: Johann Kneihs
www.tcboyle.de Holger Reichard / www.tcboyle.de / 27. Januar 2005
Wassermusik ist der populärste von allen Romanen Boyles. Reich an skurrilen Figuren, exotischen Schauplätzen und haarsträubenden Metaphern lässt er eine Vielzahl an Bildern in den Köpfen der Leser entstehen. Umso spannender die Frage: Was passiert, wenn die Geschichte des Afrikaforschers Mungo Park in musikalischer Form präsentiert wird? Ein riskantes Unternehmen. Denn Musik erzeugt bekanntlich eigene Bilder, die in diesem Fall den positiven Eindrücken, die der Boyle-Roman hinterlassen hat, nicht das Wasser reichen könnten; ähnlich einer Literaturverfilmung, die selten das zeigt, was Buchleser zuvor vor ihrem geistigen Auge entwickelt haben. Von Water Music lässt sich dies glücklicherweise nicht behaupten. Im Gegenteil: Die Kompositionen von Colin Dunwoodie, Frank Willi Schmidt und Günter Bozem sind eigenständig. Sie erzeugen eine eigene Atmosphäre, einen eigenen Film, der die Gedankenwelt der Buchleser nicht durcheinander wirbelt, sondern bereichert. Galoppierende Rhythmen und ein oft mystisch schnarrendes Kontrabass bilden dabei die Leinwand, auf die Colin Dunwoodie mit einfühlsamen Saxophon-, Klarinetten- und Querflöten-Solis seine Farben wirft. Und alles in bester Klangqualität. Musik, in die man eintauchen kann.
FERIEN ZU HAUSE Wassermusik gegen die Hitze Dunwoodie, Ommert und Bozem
spielen für FR-Leser im Jazzlokal Mampf Von Ilo Reuning Daniel
Colin Dunwoodie, Götz Ommert und Günter Bozem: Diese Namen haben in Jazz-Kreisen
einen vorzüglichen Klang. Im Frühjahr taten sich die drei Profi-Musiker
zusammen. Water Music heißt ihr Trio, und Wasser-Musik ist ihr Thema -
überaus aktuell in diesem Sommer. Vom Joch der Hitze erzählt Water Music,
auch vom Warten auf den Regen und von seiner anschwellenden Melodie: Wie
erste Tropfen fallen, Schauer wie Vorboten übers Land jagen und dann der
Himmel alle Schleusen öffnet - solche Bilder zaubert Water Music in die
Fantasie. Das Trio gibt nun sein Debüt im Jazzlokal Mampf, Sandweg 64:
Als Abschluss-Highlight des Ferienprogramms präsentiert die FR Water Music
am Samstag, 6. September (nachmittags, Eintritt fünf Euro). Das geschieht
mit Absicht eine Woche nach Ferienende, damit das feine kleine Jazz-Konzert
- 40 FR-Leser haben (teils stehend) Platz im Mampf - nicht vom Museumsuferfest
übertrumpft wird. Dafür wäre Water Music viel zu schade. Die Idee zu dem
Projekt kam Colin Dunwoodie, gebürtiger Schotte und seit Jahrzehnten in
Frankfurt daheim, als ihm ein Buch in die Hände fiel. Es handelte von
der Entdeckung des Niger durch einen Schotten im 18. Jahrhundert. Das
Trio habe sich nach dem Buchtitel benannt. Alles andere erzählt der Jazzer
lieber nonverbal-musikalisch, mit Saxophon, Querflöte und Bass-Klarinette.
Tempo, Rhythmus, Geräusche fügt Percussionist Günter Bozem unglaublich
spannend und facettenreich hinzu. Den sensiblen, lebendigen Pulsschlag
erhalten die Stücke durch den Bass von Götz Ommert. Sein swingender Stil
hebt den 33-jährigen Frankfurter unter seinen Kollegen hervor. Ommert
studierte klassischen Kontrabass am Dr. Hoch's Konservatorium. Er ist
europaweit nachgefragt, stand schon mit Jazz-Größen wie Clark Terry, Don
Mensa und Red Holloway auf der Bühne und hat in etlichen Frankfurter Jazzgruppen
einen festen Platz. Ähnlich breit ist das Aktionsfeld des jüngsten Water
Music-Mitglieds. Günter Bozem, Jahrgang 1965, spielte bereits als Schüler
Schlagzeug in Jazzbands. Der Berufsmusiker und Instrumentalpädagoge leitet
seit zwei Jahren eine Musikschule in Gründau. Engagements hat er öfter
am Schauspiel Frankfurt, etwa beim Musical "Hair" und zuletzt bei der
Inszenierung des "Shock-Headed Peter". Eine noch ausgefülltere Biografie
- er ist aber mit 57 Jahren auch ein bisschen älter - hat Colin Dunwoodie,
die Instrumental-Singstimme im neuen Trio. Ungezählt sind die Bands und
Berühmtheiten, mit denen der Jazzer und Musiklehrer schon auftrat. Sein
eigenes Quartett spielt regelmäßig im Mampf. Furore machte sein mit zwei
Kollegen gegründetes Metropolis-Projekt, die eigenwillige Jazz-Interpretation
des Fritz Lang-Films "Metropolis". Immer wieder loben Kritiken Dunwoodies
"vielfarbig schimmernden Ton" zwischen modernem Mainstream und Free Jazz.
In diesem Spektrum bewegt sich Water Music live und demnächst auch auf
CD (Kontakt: Colin Dunwoodie, Telefon 4 93 04 00). Das Trio spielt melodiösen
Jazz, frei und ungebunden, mit viel Lust und Talent zur Improvisation.
So kommt es, dass Water Music federleicht, ja unbemerkt entführt in Gefilde,
wo Tropfen fallen, Bäche springen, Wellen ans Ufer rollen. Und das Ganze
bei Gastgeber Michael Damm, Chef im Jazzlokal Mampf, das neben knapp 30
Sitzplätzen über die besten Stehplätze der Welt verfügt: Nirgendwo kann
man besser die Ellbogen parken.
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Gießener Anzeiger
Freitag; 30. Januar 2004
Atemberaubend schöne Bilder vom Grund der Ozeane
»Watermusic«-Konzert zur Voraus Premiere der BBC-Produktion „Deep Blue“
LICH (ts). Die Menschheit weiß mehr über die Oberfläche des Mondes als über den Grund der Ozeane. „Es sind mehr Menschen in den Weltraum geflogen als in die Tiefen unserer Ozeane getaucht. Das größte Wesen, das je auf unserem Planeten gelebt hat, ist der Blauwal, und wir wissen nicht einmal, wo er seine Jungen bekommt“, sagt der englische Regisseur Alastair Fothergill, der den Film „Deep Blue“ mit sensationellen Bildern aus den Tiefen des Meeres gedreht hat.
Am Donnerstag hatten die Besucher des Licher Kinos »Traumstern« als Erste die Gelegenheit, die aufwändige, in einer Drehzeit von fünf Jahren entstandene BBC-Produktion in einer Voraus-Aufführung kennen zu lernen. Der Andrang war so stark, dass der Kinosaal fast aus allen Nähten platzte. Wer Pech hatte und am Donnerstag keine Karte mehr bekam, kann sich den Film in der nächsten Woche in Lich ansehen.
Das große Publikumsinteresse hatte allerdings auch damit zu tun, dass es vor der Filmvorführung ein Konzert mit dem Frankfurter Trio „Watermusic“ gab. Kopf der Gruppe ist der schottische Saxophonist und Flötist Colin Dunwoodie, der der treuen „Traumstern“-Gemeinde durch sein „Metropolis“-Projekt bekannt ist. Auf die Idee zu „Watermusic“ kam Dunwoodie, als ihm ein Buch in die Hände fiel, in dem es um die Entdeckung des Niger im 18. Jahrhundert durch einen Schotten geht. Auf der in blaues bis meergrünes Licht getauchten Bühne erzählte das Trio die Geschichte auf seine Weise – von der sengenden Hitze, dem Warten auf den Regen, den ersten fallenden Tropfen bis zum Anschwellen des Stromes. Man hörte eine überwiegend melodiöse, meditative Musik, zu der vor allem Percussionist Günter Bozem ein farbig reiches Klang- und Geräuschspektrum schuf. Er schlug allerlei Hohlkörper, Metallteile und Bongos. Dunwoodie entlockte nicht nur dem Saxophon, der Flöte und seiner Bassklarinette die unglaublichsten Töne, sondern blies auch in leere Flaschen. Und Bassist Frank Willi Schmidt brachte zum Schluss eine Säge zum singen: Die Melodie klang so ähnlich wie „Ännchen von Tharau“. Das Publikum dankte mit herzlichem Applaus, und „Watermusic“ ließ sich nicht lange zu einer Zugabe bitten.
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